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PARKINSON UND DAS DARMMIKROBIOM

2. Juli 2022 | Martina Aichholz

Aktuelle Studien und Veröffentlichungen zeigen einen Zusammenhang zwischen dem Darmmikrobiom und der Parkinson Erkrankung.

Morbus Parkinson ist die zweithäufigste neurodegenerative Erkrankung. Beiden Patienten kommt es zusätzlich zu gastrointestinalen Beschwerden. Viele der Patienten haben bereits Jahre (teilweise Jahrzehnte) vor der Diagnose Obstipation (Verstopfung) oder andere Darmbeschwerden.

Mittlerweile gibt es Hinweise darauf, das das enterische Nervensystem (ENS) bereits vor dem Zentralnervensystem beeinträchtigt wird. Dies unterstützt die These, dass bei einem Teil der Patienten die Erkrankung im Gastrointestinaltrakt, genauer gesagt im Darm beginnt und sich dann auf das zentrale Nervensystem ausbreitet.

Das Nervensystem des Darmes (ENS) ist über den Sympathikus und den Vagusnerv (Darm-Hirn-Achse) mit dem Zentralnervensystem verbunden. Über diese neuronale Kette ist es pathologischen Peptiden möglich sich prionenartig zwischen Darm und Gehirn auszubreiten.

Darm-assoziierte Symptome nehmen Ihren Ursprung wiederum durch Veränderungen der Zusammensetzung der Darmmikrobiota und der metabolischen Aktivität.

Die neuesten Veröffentlichungen zeigen, dass insbesondere die bakterielle Dysbiose eine der wichtigen Faktoren bei der Pathogenese der Parkinson-Krankheit spielen.

Die Entstehung der Parkinson-Krankheit wird demnach über Veränderungen des Darmmikrobioms entlang der Darm-Hirn-Achse moduliert oder initiiert. Es wird vermutet, dass eine verstärkte Entzündung, die durch erhöhte Spiegel fäkalen Markern für Entzündungen und Darmpermeabilität (Leaky Gut) angezeigt wird, mit einer Dysbiose im Darm einhergeht.

Verschiebungen innerhalb des Mikrobioms, Vermehrung von pathogenen Bakterien, Verminderung wichtiger physiologischer Bakterien und besonders die Vermehrung von Pilzen spielen hier bei der Entstehung eine große Rolle.

Ebenso die bakterielle Überwucherung des Dünndarms (SIBO), die sich häufig daraus ergibt.

Das Darmmikrobiom moduliert die Darm-Hirn-Achse durch die Sekretion von Neurotransmittern, Zytokinen und die Produktion von kurzzeitigen Fettsäuren.

In der Pathogenese am auffälligsten war die relative Häufigkeit des Schimmelpilzes Geotrichum candidum (Milchschimmel) mit einer relativen Häufigkeit von 39,7%!!.

Falls dieser Geotrichum candidum tatsächlich eine Rolle bei der Entstehung von Parkinson entsteht kann dieser vermutlich als Biomarker in der Diagnose benutzt werden.

Ebenso stehen die kurzzeitigen Fettsäuren im Fokus der momentanen Studien und Untersuchungen. Diese werden durch den Fementationsprozess von Bakterien im Darm produziert und sind wichtige aromatische Aminosäuren die das Gehirn beeinflussen.

Fazit, die Dysbalance des Darmmikrobioms scheint bei Morbus Parkinson und anderen neurologischen Erkrankungen weitaus bedeutsamer zu sein, als bisher angenommen.

Dies freut mich hier in der Praxis ganz besonders, da es zeigt dass die Diagnostik und Behandlung rund um das Mikrobiom nicht nur für uns „Naturheilkundler“ so wichtig ist sondern endlich auch in der Schulmedizin einen hohen Stellenwert bekommt. Bei mir in der Praxis werden diese Untersuchungen des Mikrobioms täglich vorgenommen und die Dysbiose und Fehlbesiedelung behandelt. Tatsächlich zeigt sich die letzten Jahren deutlich ein vermehrtes Vorkommen des Geotrichum candidum Pilzes. 

Deshalb ist für mich in der Vorsorge die Mikrobiomuntersuchung eine der wichtigsten Untersuchungen neben einem großen Blutbild.

 

Quelle: DocCheck 01.07.2022 ,Parkinson, der Pilz der zittern läßt

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